Sonntag, 5. Januar 2014

lied zum sonntag: je hais les dimanches

Die Gréco hat in ihrer Kehle Platz für Millionen: für Millionen von Liedern, die noch nicht geschrieben sind und von denen leider nur einige noch geschrieben werden. Man schreibt Theaterstücke nur für einen Schauspieler, warum nicht Gedichte nur für eine bestimmte Stimme? Der Schriftsteller, der nur Prosa schreibt, wird wegen ihr seine Wahl bedauern, er wird sich sogar Vorwürfe machen. Wer mit seiner Feder diese schwarzen unscheinbaren Zeichen aufs Papier malt, vergisst allzu schnell die sinnliche Qualität des Wortes. Die Stimme der Gréco erinnert ihn daran: Sie ist wie ein warmes weiches Licht, das mit seinem Funkenschlag die Flamme der Dichter entzünden kann. Nur wegen ihr und um zu sehen, wie sich meine Wörter in Edelsteine verwandeln, habe ich Lieder geschrieben. Es stimmt, sie singt sie nicht; aber damit ich und die ganze Welt ihr danken können, genügt es, dass sie die Lieder der anderen singt. Jean-Paul Sartre

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